Für Google schreiben

Bei SEO scheiden sich die Texter­­geister. «Ich schreib doch nicht für eine Maschine!», sagen die Empörten. Doch, das tun wir. Aber nicht nur. Ein Plädoyer für such­­maschinen­­optimiertes Texten.

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Immer mehr Unternehmen berück­sichtigen beim Auf­bau ihres Web­contents SEO. Weshalb? Weil rund 93 % aller Online-Suchen bei Google beginnen und Google weiss, was wir im Netz suchen.

Eine Möglichkeit, Google und andere Such­­maschinen auf die eigene Web­site zu lenken, liegt in such­­maschinen­­gesteuerten Inhalten. Das macht Sinn. Und so kommt es auch nicht von ungefähr, dass sich in den letzten Jahren bei mir die An­fragen häufen, ob ich denn auch such­­­maschinen­­­optimiert texte. Ja, kann ich, mach ich – und sogar gerne. Bevor ich auf diese Gründe eingehe, sei erst mal Grund­legendes erklärt.

Wie funktioniert SEO?

SEO steht für Search Engine Optimization und bedeutet übersetzt – bitte einmal Luft holen – Such­­maschinen­­optimierung. Optimiert wird unter anderem technisch (darauf werde ich hier nicht weiter eingehen), über den Ein­satz von Keywords oder sinn­volle Inhalte.

Keywords sind Schlüssel­wörter. In Bezug auf Google und SEO heisst das: Es sind diejenigen Begriffe, die wir in der Such­­anfrage eingeben und die uns idealer­weise die gewünschten Resultate liefern.

Das Ziel von SEO ist, die Quantität und Qualität der Website-Besuche zu erhöhen und damit mehr Traffic zu generieren. Generiert wird dieser Traffic durch «paid» (bezahlte) oder «organic» (organische bzw. nicht bezahlte) Such­maschinen-Ergebnisse.

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Auf der Suche nach dem passenden Inhalt. Im Web kann dies ein Stück weit über SEO-Texte gesteuert werden. Foto: Anthony Martino on Unsplash.

WIE WÄRE ES MIT EINEM BEISPIEL?

Suche ich nach «boutique hotel engadin», spuckt Google innert 0.70 Sekunden 185‘000 Ergebnisse aus (Mai 2019), ganz zuoberst und am Ende der Seiten die Anzeigen. Google entscheidet, welche Inhalte für meine Such­­anfrage relevant sind, ordnet die Web­sites und erstellt so ein Web­ranking.

Das Ziel der Website-Owner – in diesem Falle der Hoteliers, Tourismus­­büros und Buchungs­­platt­formen – ist also, die für die Suche relevanten Keywords auf der eigenen Web­site zu platzieren, um im PageRank möglichst weit vorne zu erscheinen.

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Bei Google möglichst weit oben erscheinen – das ist das Ziel von Website-Betreibern, die in SEO investieren. Foto: Cupcake Media on Unsplash.

KEYWORDS VS. QUALITÄT

Dann muss man einfach möglichst viele dieser Such­begriffe in die Web­texte einbauen? Nicht ganz. Die Zeiten, in denen man Texte mit Key­words spicken konnte, sind längst vorbei.

Google beurteilt mittlerweile auch die Qualität und Glaub­würdigkeit von Inhalten. Was Leserinnen und Lesern keinen Mehr­wert bietet – ein mit Keywords voll­gepackter Text gehört da bestimmt nicht dazu, weil er einfach nur mühsam zu lesen ist – und nicht als vertrauens­­würdig ein­ge­stuft wird, wird von der Such­maschine nicht gut platziert, wenn nicht sogar abgestraft.

FÜNF ANFORDERUNGEN ANS SEO-TEXTEN

Was bedeutet dies fürs SEO-Texten? Nachfolgend gehe ich auf fünf Punkte ein, die aus meiner Sicht zentrale Anforderungen für erfolg­­reiches such­­maschinen­­optimiertes Texten sind. Gleichzeitig sind es auch die Gründe, weshalb ich diese Texte gerne verfasse.

1. USER KENNENLERNEN

Wer SEO-Content entwickelt, muss sich mit der Ziel­­gruppe aus­einander­­setzen. Wer sind die Kundinnen und Kunden? Was suchen sie auf der Web­site? Was sind ihre Bedürfnisse?

Antworten auf diese Fragen bieten professionelle Keyword-Analysen, aber mindestens so wichtig sind Recherchen. Das bedeutet für mich: Auftrag­geberinnen und Auftrag­­geber befragen, zuhören, nach­fragen und Kunden­­profile entwickeln, falls diese nicht schon bestehen.

Das Kennenlernen der Anspruchs­­gruppe ist eine spannende Aufgabe. Und es ist die Grund­­lage für das ziel­­führende Erstellen jeglicher Texte. Denn erst wenn ich weiss, wer was weshalb im Netz sucht, kann ich mich mit dem eigentlichen Thema beschäftigen.

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Wer ist meine Zielgruppe? Und welche Bedürfnisse hat sie? Foto: Ryoji Iwata on Unsplash.

2. THEMEN DEFINIEREN

Soll ein SEO-Text entwickelt werden, ist das Haupt­­thema durch das zentrale Keyword in der Regel gegeben. Nun muss ich mir überlegen, wie ich an dieses Thema heran­gehen möchte.

Was soll die Kernaussage meines Textes sein? Welche weiteren Aspekte sind relevant? Wie kann ich das Thema gewinn­­bringend, aufschluss­­reich und neu­artig aufbereiten, damit ich der Ziel­­gruppe einen Mehr­wert biete? Das erfordert eine gründliche inhaltliche Auseinander­­setzung, die mich zur nächsten Anforderung führt.

3. STRUKTUR IST (FAST) ALLES

Die Bedeutung der Struktur schätze ich am SEO-Texten ganz besonders. Die Themen­­wahl und das damit verbundene sinn­­volle Ein­bauen der Key­words zwingen mich, strukturiert an den Text heranzugehen.

Welche Struktur ich wähle, hängt – wie oben beschrieben – vom Thema ab. So lässt sich der Text entlang der verschiedenen Key­words aufbauen, zum Beispiel nach dem Prinzip ein Key­word pro Absatz. Weitere Möglich­­keiten sind ein chronologischer Auf­bau oder die Ordnung von einfachen zu komplexen Inhalten.

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Aus Textersicht kann SEO viel Orientierungshilfe beim Schreiben bieten. Foto: Tim Easley on Unsplash.

4. FÜR LESBARKEIT SORGEN

Unabhängig davon, worum es in einem SEO-Text geht, er muss lesbar sein. Dabei ist zu berücksichtigen: Wir konsumieren im Web anders als auf Papier.

Am Bildschirm scannen wir Inhalte, lesen Unter­rubriken und über­fliegen Absätze. Wir suchen nach zentralen Begriffen und versuchen so schnell wie möglich heraus­zufinden, was die Schluss­folgerung eines Artikels ist. Deshalb ist eine klare, logische Text­struktur und die Art und Weise, wie einzelne Absätze auf­gebaut und aus­formuliert sind, enorm wichtig. Das gilt für SEO-Texte und für Web­texte generell.

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Lesbarkeit ist das A und O für sämtliche Webtexte. Foto: Nong Vang on Unsplash.

5. QUALITÄT VOR ZAHLEN

Textlänge, Zeichenanzahl in Titeln, Keyword-Dichte – es gibt unter­schiedliche Faktoren, die sich im Bezug auf SEO in Zahlen ausdrücken lassen. Da aber beispiels­weise die Keyword-Dichte bei den einzelnen Such­maschinen variiert und Google seinen Algorithmus immer wieder anpasst, muss der Fokus auf der Qualität des Inhaltes liegen.

Als Texterin ist es nicht nur meine Aufgabe, Key­words so natürlich wie möglich in einen Text einzuarbeiten. In beratender Funktion überlege ich mir auch gemeinsam mit meinem Gegen­­über, welche Inhalte Sinn machen, qualitativ hoch­wertig sind und damit lang­fristig einen Nutzen stiften. Denn mit dem Surfen im Netz verhält es sich so wie in der realen Welt da draussen: Ich komme an jene Plätze zurück, die mir gefallen. Bietet mir eine Web­site lesens­­werten Stoff, werde ich diese Seite mit grosser Wahr­schein­­lichkeit wieder aufsuchen.

FAZIT

Das Schreiben von SEO-Texten ist ein Balance­­akt. Man sucht das Gleich­­gewicht zwischen den Bedürfnissen der Leser­­schaft und den technischen Anforderungen der Such­­maschine. Man pendelt zwischen Vorgaben und eigenen Ideen.

Auch wenn der Auftrag «such­­maschinen­­optimiert texten» lautet, schreibe ich als professionelle Texterin immer für Leserinnen und Leser. Diese Mischung macht das Ganze zu einer herausfordernden, spannenden Aufgabe und ist mitunter ein Grund, weshalb ich gern für die Maschine schreibe.